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Langes Schrägband selbst machen

Mich hat immer genervt, dass ich beim Schneiden von Schrägband nur kurze Stücke erhalte, die man nachträglich zusammennähen muss. Wenn ich nur ein kleines Stück Stoff habe, ist das unverhältnismäßig viel Aufwand.

Nach ewiger Suche im Internet habe ich ein Video gefunden, in dem eine Dame in einem Stoffladen in Amerika zeigt, wie es einfacher geht. Mit ihrer Methode ist es möglich, auch aus kleinen Stoffstücken einfach ein langes Schrägband zu machen. Toll! Außerdem gibt es mit dieser Methode wenig Verschnitt.

Aber um es wirklich zu verstehen, musste ich das Video andauernd anhalten und mir klar machen, was denn nun wie gemacht werden soll. Um das deutlicher zu machen, habe ich die einzelnen Schritte aufgeschrieben und aufgezeichnet. Wer auch einfach langes Schrägband machen möchte, kann ja mal die Methode der im Video gezeigten Dame nach meiner Darstellung versuchen.

Vorteil / Nachteil der Methode
Vorteil: Man muss das Band nicht nachher zusammennähen
Nachteil: An den “Loop-Stellen”, also im Bereich des Überstands, entstehen Ungenauigkeiten, die bei der Verwendung als Schrägband-Einfassung nicht so schön sind. Deshalb ist das Band vielleicht eher zum Stricken oder Häkeln zu gebauchen (oder um einen Teppich zu weben – oder für selbst gemachtes Poppana?).
Am besten einfach mal ausprobieren und den Überstand nicht zu klein wählen.

Langes Schrägband selbst machen

Man kann extrem langes Schrägband machen, indem man einen Stoff in der gesamten Breite von ca. 1,40m verarbeitet. Aber auch aus kleineren Reststücken kann man Schrägband erstellen. Je nach Ausgangsgröße hat man aber mehr Nähte im fertigen Band.

Am besten nimmt man ein Stück Stoff, das doppelt so lang wie breit ist. So entsteht beim Schneiden ein sauberer 45° Winkel. Aber man kann es auch mit anderen Stoffgrößen ausprobieren. Wenn die Proportion nicht zu sehr abweicht, kann man das, je nachdem wofür man den Streifen braucht, noch tolerieren. Bitte selbst ausprobieren.

1. Stoff falten und nähen

Ein rechteckiges Stück Stoff mittig falten (bei unbeschnittenem Stoff quer zur Webkante, bei kleineren Stücken über die lange Seite). Die rechte Seite des Stoffes ist außen.
Die drei offenen Kanten zusammennähen. Es entsteht eine Art leere Kissenhülle.Bias Tape: Stoff auf die Hälfte falten und rundum nähen

2. Stoff aufschneiden

Nun wird der Stoff diagonal aufgeschnitten. Wichtig: Nur die obere Lage von Kante 1 zu Kante 4 diagonal schneiden (ideal wären hier 45°, aber der Winkel ergibt sich aus dem Format des Stoffs) Danach den Stoff umdrehen (dabei darauf achten, dass er wieder genau so zu liegen kommt). Jetzt wie eben, aber von Kante 3 zu Kante 2, schneiden (wieder nur die obere Lage)Bias Tape: Diagonal aufschneiden

3. Stoffschlauch öffnen

Nun kann man den Stoff an den geschnittenen Kanten öffnen. Es ist eine Art Stoffschlauch entstanden. Die Webrichtung des Stoffes liegt nun im 45° Winkel zu den Kanten. Und diesen Winkel brauchen wir ja für das Schrägband.Bias Tape: Den Stoffschlauch öffnen

4. Wenn es kein Schrägband, sondern normales Band sein soll

Wenn man normales (also kein querelastisches) Band in extremer Länge braucht, geht man fast genauso vor:
Ein rechteckiges Stück Stoff mittig falten (bei unbeschnittenem Stoff quer zur Webkante, bei kleineren Stücken über die lange Seite). Hier nur die dem Stoffbruch gegenüberliegende Kante zusammennähen. Bei diesem Stoffschlauch verläuft die Webrichtung des Stoffs parallel zur offenen Kantebias_tape_4

5. Stoffschlauch falten

Der Schlauch wird nun so zusammengefaltet, dass an der einen Seite ein Überstand bleibt. Bei Teppichstreifen sollten hier etwa 5 cm bleiben (ergibt 10 cm Übergang zwischen den Stoffstreifen). Dieser Überstand wird beim Schneiden der Stoffstreifen unberührt gelassen.
Wichtig: Im Zweifelsfall den Überstand nicht zu klein wählen, da sich später beim Aufschneiden ein zu starker Winkel ergeben könnte.

6. Stoff  einschneiden

Mit einem Quilt-Lineal und Rollenschneider wird der Stoff in gleichmäßige Streifen geschnitten. (Abstand und Winkel mit dem Quiltlineal überprüfen.) Der Überstand wird nicht durchgeschnitten. Die schon geschnittenen Teile kann man zur anderen Seite legen.
Nachdem der gesamte Stoff so geschnitten wurde, wird er aufgefaltet. Die Stoffstreifen sind im Bereich des Überstands noch verbunden.

bias_tape_6

7. Streifen aufschneiden

Jetzt wird ein langer Streifen aus dem Stoffstück gemacht. Der Überstand (also die Verbindung der Streifen) liegt oben. Man arbeitet von rechts nach links. Von rechts außen wird mit einer Schere ein schräger Schnitt bis zur ersten Streifenöffnung gemacht. Der erste Teil des Streifens entsteht und fällt runter. Nun wird die nächste Verbindung geschnitten. Der Streifen wird länger. So weiterarbeiten, bis man am linken Ende angelangt ist.
Bitte beachten: Je kleiner der Überstand (also der noch nicht geschnittene Teil) ist, um so schräger muss geschnitten werden.bias_tape_7

8. Schrägband aufrollen

Nachdem der gesamte Stoff in einen langen Streifen geschnitten wurde wird das entstandene Band aufgerollt. Man kann es in eine Art Schnecke rollen oder über einen Karton legen.
Auf jeden Fall muss man darauf achten, das Band nur in eine Richtung aufzurollen (so als ob man eine vorher runtergefallene Klopapierrolle wieder aufrollt) anstatt es über die Hand zu drehen. Sonst bekommt es mit jeder Handbewegung eine Drehung um sich selbst, die man nachher wieder aufdröseln muss.bias_tape_8

 

Nach dem Aufrollen steckt man das Ende am besten mit einer Stecknadel fest.

2 Kommentare

  1. jutdi sagt

    Super Anleitung! Suche sowas als Binding für meine Patchworkdecke (240×240 cm). Hast es sehr anschaulich beschrieben.

  2. Marianne Krüger sagt

    Super gute Idee! Funktioniert tadellos, allerdings habe ich eine Frage: Sollte die rechte Stoffseite nicht innen sein? Denn so sind die Nahtzugabe dann ja auf der rechten Stoffseite. Ich habe auch nur zwei Seiten des gefalteten Stücks genäht und eine Seite gesteckt. Nach dem diagonalen Schneiden hab ich die Stecknadeln raus genommen, habe Parallelllinien in der gewünschten Breite des Schrägbandes aufgezeichnet, dann um eine Breite versetzt zusammengenäht (wieder mit Stichlänge 1,5) und dann in Endlosrunden geschnitten. Wunderbar, und so einfach! Danke schön für’s Einstellen!
    Dann hab ich das Schrägband unter einer in den Bügelbrettbezug gesteckten Nadel durchgezogen, sodass sich die Seiten zur Mitte falten und gebügelt. Dann noch einmal unter der Nadel in kleinerem Abstand durchgezogen, sodass das Band in der Mitte gefaltet war, und fertig gebügelt. Das Band war danach so gut gefalzt, dass ich es mit nur einer Naht ganz gleichmäßig annähen konnte. Ich war sehr zufrieden mit dem Ergebnis!

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