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Ein Schnittmuster für einen Eimer?

Als ich vor längerer Zeit ein Stoff-Inlay für unseren Alessi-Brotkorb nähen wollte, bin ich schier verzweifelt. Der Brotkorb ist rund und oben breiter als unten (wie ein ganz flacher, teurer Eimer). Wie schneidet man das Seitenteil aus, so dass es wirklich passt? Ich habe damals durch rumprobieren mit Papier ein Schnittmuster gemacht, das aber eigentlich nicht richtig gut in den Brotkorb passt.

Kürzlich stand ich wieder vor demselben Problem, da ich eine Tasche mit rundem Boden nähen wollte, die konisch ist, also oben weiter als unten. Gleiches Problem. Neue Lösung: Man kann das Schnittmuster für die Seitenwand zeichnerisch konstruieren. Um es mir selber klar zu machen, habe ich es nochmal sauber aufgezeichnet. Siehe unten.

Gebrauchen kann man das Schnittmuster, wenn man folgendes nähen oder basteln will:
einen Eimer / ein rundes Utensilo, das oben größer ist / eine Einlage für einen Brotkorb / eine runde Tasche mit großer Öffnung / einen Hut / …

Die größte Schwierigkeit stellt eigentlich die Bezeichnung dieses Elements dar. Mathematisch nennt man es die abgewickelte Mantelfläche eines Kegelstumpfs. Aber das versteht ja keiner. Man könnte es z.B. die Wand eines Eimers nennen. Oder Seite eines runden Objekts mit unterschiedlichen Durchmessern oben und unten. Runde Box, oben größer? Gebogene Seitenwand? Alles nicht so toll.
Also, ich nenne es jetzt:

Schnittmuster für einen konischen Zylinder erstellen

 1./2. Größen bestimmen

Wichtig zur Konstruktion der Seitenwand (der Mantelfläche des Kegelstumpfs) sind die beiden Durchmesser des fertigen Objekts – d1 (A-B) und d2 (C-D) – sowie die Höhe h.

Wenn ich also ein Inlay für einen Brotkorb nähen möchte, muss ich den oberen und den unteren Durchmesser innen abmessen und die Höhe des Brotkorbs nachmessen (senkrecht, nicht schräg!). Diese drei Maße bilden die Grundlage für die Konstruktion.
Wer bei Null beginnt – also keine festen Maße durch einen Brotkorb vorgegeben hat – legt sich die drei Maße einfach selbst fest. kegelstumpfmantel_1-2

3. Die Zeichnung beginnen

Auf dem Blatt wird eine Grundlinie und im 90° Winkel dazu eine Senkrechte eingezeichnet.

kegelstumpfmantel_3

4. Die gemessenen/gewünschten Größen eintragen

Man zeichnet die vorher abgemessenen (oder festgelegten) Strecken A-B und C-D, sowie die Höhe mittig ein.

kegelstumpfmantel_4

5. Den Schnittpunkt der schrägen Seiten bestimmen

Die Verlängerung der schrägen Seiten A-C und B-D trifft auf der Senkrechten in einem Punkt S zusammen. Wenn man sauber zeichnet.

kegelstumpfmantel_5

6. Runde Fläche einzeichnen

Nun zeichnet man um den Punkt S zwei Kreise. Das geht bei kleinen Objekten mit dem Zirkel, wenn man aber etwas größeres, wie die Seitenwand einer Tasche vorbereitet, muss man sich anders behelfen, z.B. mit einer Schnur. Hierzu und zu anderen Methoden finden sich viele Tutorials im Netz.
Diese beiden Kreise kann man sich als Begrenzung der aufgerollten bzw. aufgefalteten Seitenfläche des Eimers (oder der abgewickelten Mantelfläche des Kegelstumpfs) vorstellen. Jetzt muss man nur noch rausfinden, wie weit sich diese Fläche rechts und links ausdehnt.

Jetzt ist der Punkt, an dem man merkt, ob man das Blatt groß genug gewählt hat. Wenn man nicht mehr neu anfangen möchte, klebt man einfach weitere Blätter rechts und links an. :)

kegelstumpfmantel_6

7. Kreis in der oberen Breite zeichnen

Den Schnittpunkt der Strecke AB mit der Mittellinie nennen wir M. Um diesen Punkt zieht man einen Kreis mit dem Durchmesser AB (oder Radius AM).
Dieser Kreis entspricht dem realen oberen Durchmesser des Kegelstumpfes, bzw. Eimers. Diese reale Größe muss nun auf die abgewickelte Fläche übertragen werden. Dafür teilen wir den Kreis um M in gleich große Strecken, die auf die abgewickelte Fläche übertragen werden.

kegelstumpfmantel_7

8. Schnittpunkte einzeichnen

Mit dem selben Durchmesser/Radius wie vorher werden Kreise um die Punkte A und B gezeichnet. Hieraus ergeben sich die Schnittpunkte 1 und 2 mit dem vorher gezeichneten Kreis um M.

kegelstumpfmantel_8

9. Den oberen Kreis in gleiche Teile aufteilen

Den Schnittpunkt des Kreises um M mit der Mittellinie nennen wir P. Um diesen Punkt wird mit gleichem Durchmesser/Radius ein weiterer Kreis gezogen. Die Schnittpunkte 3 und 4 entstehen. Die obere Hälfte des Kreises um M wurde so in 6 gleiche Strecken geteilt. Wenn der Kreis nach unten weiter geteilt würde, hätten wir 12 gleiche Strecken (das ist aber nicht nötig). Wichtig ist nur zu wissen, dass eine dieser Strecken genau 1/12 des gesamten Kreises misst.

kegelstumpfmantel_9

10. Zwölf gleiche Kreisabschnitte auf der Fläche abtragen

Der Kreis besteht also aus 12 gleich langen Strecken. Die Länge einer Strecke haben wir eben zeichnerisch ermittelt: 1/12.
Mit dem Zirkel wird genau diese Länge abgemessen und auf die untere abgewickelte Fläche des Kegelstumpfs abgetragen. Man sticht den Zirkel in der Mittellinie ein, trägt die Strecke nach links ab (zeichnet sie auf der Linie ein). Dann sticht man den Zirkel neu in diesen Schnittpunkt ein und trägt die Strecke wieder nach links ab. Dies macht man insgesamt sechs Mal.
Die Strecke wird dann auch sechs Mal nach rechts übertragen.
Daraus ergibt sich die Breite der oberen abgewickelten Seitenfläche.

kegelstumpfmantel_10

11. Die Seitenfläche fertigzeichnen

Die beiden äußeren Schnittpunkte (der jeweils 6. Schnittpunkt rechts und links) werden mit dem Punkt S verbunden. Dadurch ergibt sich die genaue Größe der Seitenfläche.
Den unteren Rand muss man nicht extra konstruieren, er ergibt sich aus der Verbindung von Punkt 6 und Punkt S.

Die türkis umrandete Linie zeigt die abgewickelte Mantelfläche des Kegelstumpfs oder die aufgerollte Seitenfäche des Objekts mit unterschiedlichen Durchmessern oben und unten. Also das Schnittmuster für die Seitenfläche eines Eimers.

kegelstumpfmantel_11

12. Das Schnittmuster für einen Eimer ausschneiden

Vor dem Ausschneiden sollte man die Nahtzugaben bzw. für Papierarbeiten den Klebestreifen  bedenken. Diese Maße erst einzeichnen und die Fläche dann ausschneiden.

Fertig.

 

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